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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Kind und die Schlange

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Das Jüngste einer Bauernfamilie wollte keine Milch mehr trinken, die ihm die Mutter auf den Tisch stellte. Es nahm jeweils seine Tasse in die Händchen und trippelte damit vor das Haus und kam dann nach einem Weilchen mit der leeren Tasse wieder zurück. So machte es das Tag für Tag.

‏Der Mutter fiel endlich das Gebaren des Kindes auf. Sie passte ihm einmal ab.

‏Da kroch das Kind mit der Milchtasse in der Hand vor dem Haus am Boden und rief mit seinem feinen Stimmchen: «Chun, chun! » Und auf den Lockruf erschien eine Schlange und trank die Milch aus der Tasse. Nur die Brotbrocken mochte die Schlange nicht; als sie wieder fortschleichen wollte, schlug es ihr mit seinem Löffelchen auf den Kopf und sagte: «Du musst Broteli auch essen, nicht nur Milch.» Die Schlange tat dem Kinde nichts zuleide. Aber fortan durfte es ihr auf Geheiss der Mutter die Milch nicht mehr bringen. Da wurde es bleicher und bleicher und starb nach kurzer Zeit.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch