Die Harmleni kommen
Auf halbem Weg zwischen Brienz und Ebligen liegt oberhalb des Sees ein Streifen Wiesland steinig und mager und an den Längsseiten von Tannenwald gezäunt. Die Gegend heisst «im Dorni».
An einem warmen Tag war Gygers Peetsch hier am Räumen. Die Steine warf er auf einen mit Gestrüpp überwachsenen Haufen. Einmal, da wieder einer hinüberflog, schlüpfte ein Härmli heraus. Da zielte Peetsch mit dem nächsten Stein auf das Tier. Und schon bereute er den Wurf. Er traf das Härmli nicht, doch dieses fing laut und durchdringend zu pfeifen an. Im Nu kamen aus allen Steinhaufen ringsum Härmleni gehuscht, eines am andern. Im Nu war es eine grosse Schar, und immer kamen noch mehr dazu. Und jetzt hatten sich alle plötzlich in einer Richtung in Bewegung gesetzt, auf Peetsch zu. Rasch, unheimlich rasch kamen sie näher. Schon kamen die Vordersten, kaum zwanzig Schritte weg, um einen Steinhaufen - da besann sich Peetsch nicht mehr, sprang in den Wald hinein und rannte davon, was die Beine hergaben. Es war höchste Zeit gewesen; die Härmleni hätten ihn sonst zu Hudel und Fetzen zerrissen.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch