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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Seeungeheuer

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Etliche Ruderschläge ostwärts des Giessbaches säumen die hohen, senkrechten Flühe des Rauft und des Entenwinkels das Seeufer.

‏In dieser Gegend hausten einst die Seeungeheuer. Vom Mitternachtwind hieher abgetriebene Schiffsleute wussten von ihnen. Es waren zumindest zwei Tiere, mit Leibern wie Schlangen. Oder wie Fische? Jedenfalls streckten sie die Köpfe über das Wasser! Grausliche Köpfe, mit einer Schnauze, fast wie die eines Hundes. Mit zwei krallenbewehrten Füssen schwammen sie im Wasser der Bucht. Die Ungeheuer wären sehr wohl imstande gewesen, die Boote der Schiffsleute zum Kentern zu bringen. Man wich ihnen deshalb aus. So blieb auch nie einer in ihren Krallen hängen. Dagegen behaupteten die Fischer, die Ungeheuer vertilgten grosse Mengen von Fischen, weshalb die Hechte und Forellen, die Egen, Hasel, Balchen, Bläulig und Brienzlig im Brienzersee so selten geworden seien.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch