Milch verbrennen oder vergraben
Einst brachte es ein Kapuziner zustande, dass ein krüppellahmes Mädchen wieder gehen konnte. Am Tage der wunderbaren Heilung trug die Nachbarsfrau wie alle Tage Milch ins Haus. Der Vater des Mädchens nahm die Milch, dankte der Frau aber nicht, weil er wusste, dass diese Frau ihr Hexenwerk verstand. Er trug die Milch in die Küche und wollte sie tropfenweise auf dem Herd verbrennen. Doch das war der Mutter nicht recht. Da vergrub der Alte die Milch tief in der Erde. Kurz darauf begann die Frau, welche die Milch gebracht hatte, zu lahmen. Bald versagten ihr die Füsse den Dienst, und sie musste ihr Leben lang an Krücken gehen.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch