Das Nachtmahlbrot vergiftet
Einst lebte zu Brienz ein Pfarrherr. Der musste an sich selbst erfahren, was es heisst, ein böses Weib zu haben.
Es war zur Osterzeit, als die Rätzene, wie das Volk das böse Pfarrersweib nannte, das Nachtmahlbrot im Ofen buk. Während sie den Brotteig rührte, mischte sie Gift darunter, das allen, die davon essen würden, den sicheren Tod bringen sollte.
Doch zum Glück warf die Magd die Brosamen in den Hühnerhof und Hahn und Henne fielen sogleich tot zu Boden.
So kamen die Machenschaften des bösen Weibes an den Tag. Der Pfarrherr suchte im See den Tod. Die Pfarrersfrau, peinlich verhört, gestand ihr Teufelswerk und wurde in Interlaken hingerichtet. Doch musste sie ihre Freveltaten noch nach dem Tode büssen. Zur Osterzeit kann man eine schwarze Gestalt aus dem Pfarrhaus treten sehen, die zum See hinunterläuft, dort stöhnend am Wasser auf- und abschreitet und dann wieder im Pfarrhaus verschwindet.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch