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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Riesetenmanndli

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Von der Hinterburgalp fällt eine mächtige rauhe Grollhalde bis in den Talgrund. Bei schweren Sommergewittern oder wenn im Frühjahr die zerklüfteten Felsen oben in der Halde locker werden, «chunnd d'Rieseten». In dieser Steinhalde hauste das Riesetenmanndli. Und das kam so.

‏Im Kienholz wohnte einst ein reicher Geizteufel von Bauer. Als er wieder einmal auf der Alp Hinterburg ohne fremde Hilfe sömmerte, weil er einem Knecht hätte Lohn zahlen müssen, brach eine böse Dürre aus. Die Hitze wurde so gross, dass das Vieh tagsüber von der Weide in die nahen Wälder lief. Eines Tages aber musste in das Vieh des Geizigen eine besondere Laune gefahren sein. Anders als die Kühe der andern Alpgenossen, die sich bei der Hitze in den Schatten legten, fingen seine Tiere zu laufen an, bergabwärts, geradewegs auf die Riesetengrinde zu. Wohl lief der Geizige hinterher, rief, schrie. Doch Haupt um Haupt sprang von der hohen Grinde hinunter in die Riesete und zuletzt der Mann ihnen nach. Vieh und Mensch fanden einen grausen Tod.

‏Seitdem war der Geizkragen in die Riesete gebannt. Wenn das Wetter schlecht wird, hockt oben in den Felsen ein dichter Nebel. Das Riesetenmanndli darf dann holzen und kochen, und zu gewissen Zeiten lässt es Steinlawinen rumpelnd zu Tal fahren.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch