Das Geschrei aus dem Boden
Zwischen dem obern und dem untern Dorfteil in Oberried war es bis vor Jahren nicht geheuer. Von einer bestimmten Stelle neben der Strasse und zu einer bestimmten Zeit liess sich ein Geschrei hören wie das Quietschen einer Feldmaus.
Wenn die Dorfbewohner da vorübergingen und das Geschrei ertönte, dann hüteten sie sich wohl, einen «Nebet» zu tun, will sagen, sich nach dieser oder jener Seite umzusehen. Denn die Geister verstanden keinen Spass.
Jeltschis Trini hat es erfahren müssen! Es war einmal bei der Grossmutter im untern Dörfli z'dorf. Als es nachts auf dem Heimweg an den Ort kam, wurde plötzlich das Geschrei laut; es schien aus dem Boden zu kommen. Entgegen aller Vorsicht ging Trini der Sache nach, indem es auch nur leicht und rasch den Kopf nach der vermeintlichen Feldmaus drehte. Aber schon das war zu viel. Als es nach Hause zu der Mutter kam, entsetzte sich diese. Trini war im Gesicht und an den Gliedern geschwollen wie eine Trommel; es lag nachher noch viele Tage krank, und nur die beste Pflege vermochte es vor einem jungen Sterben zu bewahren.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch