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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Milchisbachhund

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Am rechten Ufer des Brienzersees, zwischen Ringgenberg und Brienz, zeigte sich ein Hund von ungeheurer Grösse, der Milchisbachhund genannt. Wenn er in ein Haus ging, so zitterten alle Fenster. Einmal trat er im Dorfe Ebligen an einem hellen Sonntagmorgen an das Bett eines Kranken. Zwei furchtlose Männer gingen eines Abends von Oberried nach Ebligen. Auf einmal stand dieser Hund vor ihnen und versperrte ihnen den Weg, kehrte den Kopf gegen sie. Als alle Versuche, ihn wegzuscheuchen, nutzlos blieben, kehrten die Männer um und liessen sich auf dem See heimrudem. Einem Mann von Niederried erschien der Milchisbachhund einst, als er eine junge Buche fällte. Da ergriff er die Buche und schlug nach dem Hund. Es war aber, als hätte er in den Schatten geschlagen. Am gleichen Abend aber erkrankte der Holzer und konnte kaum vom Tode errettet werden. Alte Leute erzählen, es sei früher eine Weibsperson wegen Sünde gegen das Fleisch gerichtet worden. Kurz vor dem Tode soll sie gesagt haben, sie wolle dem See nach allen Leuten erscheinen, um sie vor jedem nächtlichen Herumschwärmen zurückzuschrecken.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch