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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Ein Hundsgrind im Hagelsee

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Zuhinterst im Hühnertäli, auf der Alp Tschingelfeld, liegt der Hagelsee. Selten verirrt sich ein Wanderer dorthin. Selbst im Sommer ist der See mit Eisschollen bedeckt und dünnes Grün bedeckt das Ufer. Einst kamen im August zwei Sennen am See vorbei und setzten sich auf einen Stein, um auszuruhen. Da begann der Spiegel des Sees sich zu bewegen und die Eisschollen tanzten auf dem aufgewühlten Wasser. Die Sennen sahen sich verwundert um; doch keine Wolke trübte den Himmel. Und nun begann das Wasser gar zu brodeln und grosse Blasen stiegen aus der Tiefe. Plötzlich tauchte aus dem Wasser ein greulicher Hundsgrind auf. Zwei Klauen hielten sich an einer Eisscholle fest, als wollte das Untier versuchen, auf die Eisscholle und an Land zu gelangen. Aber es fiel wieder ins Wasser zurück, nahm nochmals einen Anlauf, plumpste wieder zurück und so noch ein drittes Mal. Schliesslich verschwand es wieder in den Fluten. Schliesslich beruhigten sich Wasser und Eisschollen und bald lag der See wieder so still und unbewegt da wie zuvor. DieSennen hatten sich hinter einen Felsen verkrochen und blieben noch eine Weile dort. Aber der Hundsgrind zeigte sich nicht mehr.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986

 Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch