Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Messer in der Wand

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Einmal im Herbst gingen einige Jäger von Brienz und Iseltwald an Tschingelfeld auf die Gemsjagd. Tagsüber strichen sie dem Wild nach, aber es wollte sich landauf und -ab kein Wild zeigen, und so mussten sie sich abends verdrossen in einer der Hütten auf die Gastere legen.

‏Zur Nachtruhe sollten die Mannen aber auch nicht so leicht kommen. Gegen Mitternacht schreckten sie aus dem besten Schlaf, dann pfiff ein Wind um die Hütte, und es kam heran wie das Geläute von Glocken und das Getrampel von Kühen. Auch war eine menschliche Stimme zu vernehmen, die so klagte, dass es den Jägern das Herz im Leibe umdrehte.

‏Eines Tages stiess noch ein weiterer Jäger zu ihnen. Dem erzählten sie von dem nächtlichen Spuk. Da meinte der, dem sei leicht abzuhelfen, sie sollten das nächste Mal einfach ein Messer in die Wand stecken.

‏Als sie gleichen Abends noch den Lärm herannahen hörten, steckte einer rasch sein Messer neben sich in die Wand. Daraufhin ertönte ein einziger, fürchterlicher Schrei, dann wurde es still.

‏Am nächsten Abend kam das geheimnisvolle Senntum auch nicht wieder. Den Jägern aber verleidete das Weidwerk, und sie verliessen unverrichteter Dinge die Alp.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch