Die Winterkuh
Ein Zwerg erbat sich von einem Bauer im Herbst, als man eben im Begriffe war, von der Alp, wohl einer des Ällgäu, wieder in das Tal herunterzufahren, eine Kuh und versprach ihm, er werde keinen Schaden davon haben. Der Mann gab sie ihm. Der Zwerg fuhr mit ihr durch die Luft der nahen Hohgantfluh zu. Diese tat sich vor ihm auf. Er ging mit der Kuh hinein. Die Fluh schloss sich wieder zu. Die Kuh war verschwunden. Darnach kam der Ertrag derselben, Käse und Zieger, dem Bauer ins Gaden hinein; er wusste nicht wie. Im Frühling, als die Zeit zum Auffahren auf die Alp herangekommen war, kam der Zwerg wieder und brachte dem Manne seine Kuh wieder und dazu ein überaus grosses Kalb. Der Mann sagte: «Du hast wenig Nutzen von der Kuh gehabt, da ich dieselbe und dazu noch dieses schöne Kalb bekommen habe.» Darauf der Zwerg: «Ich hatte wohl so viel Nutzen als du.» Darauf der Bauer: «Bist du zufrieden?» Der Zwerg entgegnete: «Ja, ich bin zufrieden. Denn ich habe es immer noch viel besser als du.»
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch