Der Hirtenbub von Habkern
In den Kämpfen, welche wegen der Haltung der Klosterleute von Interlaken im Morgartenkrieg zwischen diesen und den Nachbarn über den Bergen stattfanden, überfiel einst eine Schar von Streitern aus dem Entlibuch die Herden und Sennen auf den Alpen von Habkeren. Die Feinde ermordeten die Männer, indem sie diese in siedende Molke steckten. Ein Hirtenjunge entsprang mit einer Volle (hölzerner Milchtrichter). Er stellte sich damit auf eine Höhe des Habkerentales und schrie durch die Volle wie durch ein Sprachrohr hinaus gegen den Talboden von Unterseen. Er schrie aber so gewaltig, dass ihm darüber der Leib zersprang. Als die von Unterseen das Rufen hörten, zogen sie bewaffnet auf die Alp und schlugen die Entlibucher bei der «Wehri», woselbst noch in unseren Tagen Gestänge von Schwertern ausgegraben werden.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch