Das Hardermannli
Als das Gotteshaus Interlaken auf der Höhe seiner Macht stand und kluge Pröpste seinen Besitz bis weit über die Tore Berns auszudehnen und ringsum den besten Alpbesitz in ihren Händen zu vereinigen verstanden hatten, als Fülle und Üppigkeit die Losung seiner Mönche geworden waren, verging auch der Ruhm der Frömmigkeit, den dieses Kloster einst besessen, und welche selbst Briefe und Privilegien der Kaiser und Könige bezeugten. Einst traf ein am Harderberg lustwandelnder Mönch im Walde ein Unterseer Mädchen beim Holzsammeln. Er stellte ihm nach und jagte es den Waldweg entlang. Da sprang das verfolgte Mädchen in seiner Herzensangst über die jähe Fluh hinaus in die Hefe. Der Mönch aber wurde vom himmlischen Richter in Stein verwandelt. Verflucht und unerlöst muss er Jahrtausende lang zu der Stelle seines Verbrechens niederschauen.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch