Der Engstlenbrunnen
Auf den Bergen gibt es Brunnen, welche im Mai, sobald das Vieh auf die Weide getrieben wird, zu fliessen anfangen; werden sie aber von demselben verlassen, versiegt auch ihre Quelle wieder. Von ihnen erzählen die Hirten, dass sie von Bergmännchen oder den «Toggeli» gehütet werden, welche auf diese Art für das durstige Vieh in den heissen Sommertagen sorgen.
Einer der bekanntesten ist der auf der Engstlen-Alp im Amte Oberhasli. Dieser fliesst nicht nur vom Frühjahr an bis zum Herbst, sondern auch nur des Tages regelmässig zwei Mal, des Morgens früh um acht und des Nachmittags um vier Uhr, zu welcher Zeit man das Vieh zur Tränke zu führen pflegt. Von ihm heisst es unter anderm noch, dass, sobald man absichtlich etwas Unreines in sein Wasser wirft, dieses oftmals mehrere Tage lang ausbleibt, während der Unrat, welchen die Tiere selbst hineinfallen lassen, seinen Lauf nicht im Geringsten stört.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch