Das Gauliwibli
Im Urbachtale, wo die Wetterhörner gen Himmel ragen, gab es vor Zeiten eine grasreiche Alp, Eigentum einer jungen Sennerin, die im Sommer oben lebte. Diese war jedoch übermütigen und harten Wesens, die keinem Andern was gönnte und jeden Armen mit Schimpf von ihrer Hütte wies. Da gewann ein junger Bursche ihre Liebe, ein Bursche, der zu ihr passte. Sie hielten Hochzeit. Eines Tages kam ein Armer auf die Alp, dem Verschmachten nahe, und bat um etwas Milch. Die Übermütigen überhäuften ihn mit Schmähworten; da verfluchte er die Alp und sank tot nieder. Sogleich brach ein Ungewitter los und überdeckte die schöne Alp mit dem Gauligletscher. Unter diesem hört man oft das dumpfe Geläut der Herdeglocken und vernimmt die Wehklage des «Gauliwibli» und ihres Buhlen:
«I und mi Kathrin
und mini Chue Brün
und min Hund Rin
müssend immer und ewig uf Blümlisalp sin.»
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch