Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Milchweiher

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Die grossen Leute, die ehedem das Simmental bewohnten, haben einen Schlag von Rindern besessen, der für alle Ställe zu gross war, und man liess daher das Vieh stets im Freien. Jede Kuh gab des Tages drei Eimer Milch, daher molk man sie, anstatt in Gebsen, in einen Weiher. Die Treppe, die zu ihm hinabführte, war aus Käslaiben gebaut, den Anken füllte man in hohle Eichbäume. Mit Anken polierte man Hauswand und Scheunentor, mit der Milch wusch man Geschirr und Stubenboden. In einem Einbaum fuhr man auf dem Weiher, um die Nidel abzurahmen, und warf sie mit Schaufeln statt mit der Gone ans Ufer. Bei einem grossen Sturmwind trat dieser Milchweiher einmal aus und ersäufte die grossen Leute alle miteinander.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch