Drei Raben
Einst stand in der Gemeinde Oberwil am Alchbachgraben eine Mühle, die einem jungen Müllerspaar gehörte. Einmal standen sie beim Mühlrad, als drei Raben über das Haus flogen. Da erschrak die junge Müllerin und sagte: «Jetzt droht uns ein Unglück.» Kurz darauf fiel der Müller vom Dach und brach sich das Genick. Als nun die Töchter der Müllerswitwe erwachsen waren, kam ein Müllersknecht ins Haus. Sein Gesicht war fein, aber sein Herz voller Tücke. Da flogen abermals drei Raben übers Haus. Der Knecht brachte die eine Müllerstochter ins Unglück, worüber der Mutter das Herz brach. Da zog die andere Tochter mit ihrem Mann in die Mühle. Ihr Mann war ein roher Mensch, der weder Gott noch Teufel fürchtete. In seinem bösen Sinn betrog er die Talleute und brachte sie um Hab und Gut. Da verfluchten diese den Müller samt seiner Mühle. Da flogen die drei Raben zum drittenmal über das Haus. Ein heftiger Sturmwind und wilde Wasser rissen die Mühle mit ihren Bewohnern fort und bedeckten das Gelände mit klafterhohem Schutt und Schlamm. Erst nach Jahrhunderten kam beim Graben der Mühlstein wieder zum Vorschein.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch