Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die gespenstische Katze

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Wer am Weihnachtstag geboren ist, sieht im späteren Leben Gespenster und Geister. Einst trug man an einem kalten Wintertag ein Weihnachtskind zur Taufe. Beim Heimgang trieb sich eine Katze vor den Füssen des Vaters herum, die immer grösser und grösser wurde, bis sie zuletzt wie ein kräftiger Hund aussah, mit feurigen Augen, gross wie ein Suppenteller. Doch plötzlich verschwand diese Geisterkatze. Doch als die Taufgesellschaft beim Burgbühlhubel vorbei wollte, stand sie wieder da. Das Tier lahmte und rutschte auf der spiegelglatten Strasse bis zur Gesellschaft herunter. Da schrumpfte sie zusammen und ihr Kopf wurde klein wie eine Mannsfaust. Als die Gesellschaft zu Hause ankam, waren die Eltern des Täuflings verstümmelt. Die Mutter hatte an einer Hand nur noch einen einzigen Finger. Dem Vater war das Gesicht so angeschwollen, dass er blind wurde.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch