Mannried wird untergehen
Mannried im Simmental war ein Dorf am Fuss eines steilen Berghanges. Schon die Römer hatten sich hier angesiedelt, so geschützt ist dieser Talwinkel. Die Bewohner hätten von den Gefahren des Gebirges nichts zu befürchten, wenn der grosse Wurm auf der Seebergalp nicht gewesen wäre.
Denn hoch über Mannried liegt auf der Seebergalp ein abgelegener See. Von Zeit zu Zeit wallt und brodelt sein Wasser und vom Seegrund her lässt sich ein wüstes Schnauben, Stöhnen und Gurgeln hören. Im Seegrund haust nämlich ein grosser Wurm. Da ihm das Aufsteigen durch die Oberfläche des Wassers verwehrt bleibt, gräbt er sich immer tiefer in den Felsgrund ein, um dort seinen Ausweg zu finden. Schon hat er den Felshang beinahe durchbohrt. Manches Mal kriecht er aus dem Wasser hervor, um Luft zu schöpfen. Dann aber gräbt und bohrt er wieder in seinem Loch nach Mannried herunter. Wehe dem Dorf, wenn der grosse Wurm den Ausgang gefunden hat! Dann wird er mit den Wasserfluten das Dorf vernichten.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch