Senn und Sennerin
In früheren Zeiten führten von der Lenk aus sanfte Hänge links und rechts der Simme zu den Anhöhen, wo sich jetzt das Oberlaubhorn und der Metschberg befinden. Auf jeder dieser Alpen stand eine Sennhütte mit Ställen. Von jeder führte ein Weg nach dem Dorf. Die eine, links der Simme, hiess Langeckstrasse, weil der dortige Höhenzug Langeck hiess, wovon die Lenk ihren Namen erhalten hat.
Dort oben hauste ein schönes Mädchen; die andere Alp war von einem jungen Sennen bewohnt. Beide liebten einander, und Abend um Abend bliesen sie mit dem Alphorn hinüber und herüber. Doch eines Sonntags stieg ein anderer Senn aus dem Wallis zum Mädchen und wusste sie zu überreden. Am folgenden Tage blies und blies der junge Senn. Allein er erhielt keine Antwort. Da schleuderte er sein Alphorn mit einem Fluche nach der Hütte der treulosen Sennerin. Der Boden erdröhnte, erbebte, stürzte ein. Dort, wo ehedem die Alp der Sennerin stand, ist nun ein tiefes Tal, das Iffigental, dort, wo die Hütte des Sennen stand, wurde ein mächtiger Felsblock aus der Erde getrieben. Es ist das Metschhorn.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch