Weiberschlacht auf der langen Matte
Die Frauen von Lenk hatten von jeher durch ihre Beherztheit landauf und -ab einen guten Namen. Einmal war tiefe Kriegsnot im Tale. Im Wallis war der Bischof von Sitten ermordet worden und die Talleute drangen übers Gebirg, um an den Lenkern diesen Mord zu rächen. Sie fielen über das Laufbodenhorn, unter welchem eine der schönsten Alpen des ganzen Tales, die Langenmatte liegt, ein. Hier hatten die Lenker all ihr Vieh zusammengetrieben um es vor dem Feinde besser schützen zu können. Aber die Hut bestand nur aus Greisen und Knaben. Im Augenblick der Not eilte aus dem Tal eine ganze Schar Frauen und Jungfrauen herbei. Äxte, Heugabeln, Sensen und anderes Gerät waren ihre Waffen. Wer nicht dreinschlagen konnte, der warf dem Feinde Salz und Asche in die Augen. Endlich aber waren die Walliser geschlagen. Eine Zahl Toter bedeckte das Schlachtfeld und die Überlebenden mussten mit leeren Händen abziehen.
Hinter dem Laubhorn und gegen den Rawylplass zu heisst heute noch eine Stelle «Bei den Toten». Dort sollen die in der Weiberschlacht gefallenen Walliser in einer gemeinsamen Grube begraben worden sein.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch