Die Zaubersalbe
Einmal kam eine Korber- oder Zigeunersfamilie und wollte bei einem Bauer Milch erbetteln. Aber der Bauer sagte, er hätte keine, das Vieh sei auf der Alp. Da sagten die Fremden, das sei ihnen gleich, wenn er ihnen nur für kurze Zeit einen Melkkübel leihen würde. Da gab der Bauer den Korbern einen Melkkübel, der Korber nahm ihn, schaute über die Schattenseite zur Alp hinauf, wo eine braune Kuh vor der Staffel stand. Und es dauerte nicht lange, da war der Melkkübel voll Milch. Als sie dann weiterzogen, brachten sie den Melkkübel dem Bauern zurück. Dafür gaben sie ihm eine Büchse mit Salbe, damit sollte er den Käs und das Fleisch im Kamin, auch Kleider und Decken bestreichen. Wenn er das tue, dann kämen keine Maden in den Käse und Fleisch und in die Kleider keine Schaben. Aber der Bauer traute der Sache nicht recht. Vor seinem Haus lag ein grosser Stein. Da strich der Bauer die Salbe an den Stein. Kaum hatte er das getan, fing der Stein an zu zittern und zu wackeln und rollte nach einer Weile auf dem Weg auf und davon, auf dem die Korber fortgezogen waren. Den Stein hat der Bauer nie mehr gesehen, aber das Loch vor dem Haus blieb noch lange offen.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch