Das versteinerte Schiff
Hoch oben in den Bergen des Oberlandes liegt ein verlassenes Bergwerk. Wenn man in einen Stollen eindringt, bietet sich hundert Ellen tief ein gespenstiger Anblick. Es steht dort auf dem Felsgrunde des unterirdischen Ganges ein wohlerhaltenes Schiff. In ihm ruhen vierzig Menschengestalten. Aber keine Brust regt sich, kein Auge schaut, denn die Leute sind versteinert. Auch die Anker, das Holzgerät, ja siebenundzwanzig Sturmhauben und ebensoviele Hellebarden, sind mit Stein überzogen. Einst soll ein See das Land bedeckt und bis hier hinauf gereicht haben. Hoch zeigt man an anderen Orten, die heute ebenfalls trocken liegen, eiserne Ringe, an welche einst die Schiffe sollen angebunden worden sein.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch