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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Wasserfrau auf der Mieschfluh

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Auf der Mieschfluh, südwestlich von der Spillgerte, stand einst eine kleine Hütte, welche im Sommer von einem jungen Mann mit seiner kleinen Herde bewohnt wurde. Jeden Tag, wenn er seine Ziegen auf die Weiden trieb, begegnete ihm ein schönes junges Mädchen. In einem Kruge trug sie Wasser. Drei Sommer lang ging das Mädchen an ihm vorbei, ohne dass er sie anredete. Einmal bot sie ihm, ohne ein Wort zu sprechen, aus dem Krug zu trinken an. Allein der Mann wies sie ab. Von diesem Augenblicke an erschien das Mädchen nie wieder, aber mit ihr wich auch das Glück vom Häuschen des Mannes. Seine Ziegen verliefen sich und stürzten in die Abgründe und der Brunnen versiegte. Der Mann wurde so arm, dass er keine Ziege mehr zu kaufen vermochte. Von seinem Hüttchen ist keine Spur mehr zu finden.

 

Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch