Die Hexe und ihr Mann
Ein Mann im Oberland, ich weiss nicht, in welchem Dorfe, vermutete einmal, dass seine Frau eine Hexe sei. Um sie auszuforschen, sprach er fortwährend davon, dass es doch gut sei, hexen zu können, und dass er deshalb sich der Hexerei ergeben wolle, wenn er nur jemand finde, der ihn ordentlich darin unterrichte. Endlich liess sich durch diese List die Frau fangen und erklärte, dass sie ihn gern unterweisen wolle. Der Mann ging auf dies Anerbieten ein, und die Frau führte ihn nun auf den Mist hinter dem Hause und sagte ihm, dass er jetzt genau nachsprechen solle, was sie ihm vorsagen werde. Als dies der Mann versprochen, begann sie: «Hier stehn wir auf dem Mist». Der Mann sprach sogleich dasselbe vernehmlich nach, und die Frau fuhr fort: «Und verleugnen unsern Herrn Jesus Christ». Da rief aber der Mann: «Und ich schlage nieder, was hinter und vor mir ist». Und mit diesen Worten traf er die Hexe mit der Mistgabel so heftig auf den Kopf, dass sie tot niederfiel.
Aus: P. Keckeis, M. Waibel, Sagen der Schweiz. Bern, Zürich 1986
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch