Wo hat das Huhn die Eier versteckt
Es lebten einmal ein alter Mann und eine alte Frau. Die waren sehr arm. Sie wohnten in einer kleinen Hütte und hatten nur ein einziges Huhn. Aber sie wussten nicht, wo das Huhn seine Eier legte. „Wo hat es sie wohl versteckt?", fragte die Frau jeden Tag und gemeinsam suchten sie, aber die Eier fanden sie nicht. Einmal sagte der Mann: „Ich werde zur Sonne gehen und sie fragen. Sie scheint überall hin, vielleicht weiss sie, wo das Huhn die Eier versteckt hat?"
Er machte sich auf den Weg, ging und ging und kam zu einem Birnbaum. Der Birnbaum rauschte und fragte: „Wohin gehst du?«
„Ich gehe zur Sonne, um sie zu fragen, wo das Huhn die Eier versteckt."
Der Birnbaum rauschte wieder und sagte: »Bitte frage die Sonne, warum ich keine Früchte tragen kann.« Der Mann versprach es und ging weiter.
Bald kam er zu einer Hütte im Wald. Eine Frau und zwei Mädchen schauten zum Fenster hinaus. „Wohin gehst du?«, fragte die Frau.
„Ich gehe zur Sonne, um sie zu fragen, wo das Huhn die Eier versteckt."
Da sagte die Frau: »Bitte frage die Sonne, weshalb meine Mädchen nicht lachen können." Der Mann versprach es und ging weiter. Er kam zu einem grossen Fluss und wusste nicht, wie er hinüber kommen könnte. Da schaute auf einmal ein grosser Fisch aus dem Wasser und fragte: „Wohin gehst du ?«
„Ich gehe zur Sonne, um sie zu fragen, wo das Huhn die Eier versteckt."
„Bitte frage die Sonne, weshalb ich nicht tief tauchen kann.» Der Mann sagte: „Ich will die Sonne fragen, aber bitte, trag mich über den Fluss. Der Fisch brachte ihn auf die andere Seite. Der alte Mann bedankte sich und lief weiter und weiter. Es wurde immer heisser und heller, und die Sonne glühte vom Himmel herab.
„Bleib stehen, sonst verbrennst du dich!" rief sie dem Mann zu. „Ich weiss schon, was du fragen willst. Hör gut zu: Dein Huhn legt die Eier unter dem Dach von deiner Hütte. Dort wirst du sie finden. Und der Birnbaum, der kann nicht Früchte tragen, weil unter seinen Wurzeln ein Schatz liegt. Die beiden Mädchen aber können nicht lachen, weil sie immer über mich schimpfen. Wenn sie es nicht mehr tun, können sie auch wieder fröhlich sein. Dem Fisch kannst du sagen, dass er einen Menschen fressen muss, danach kann er wieder auf den Grund tauchen. Aber sag es ihm erst, wenn du auf der anderen Seite bist. So, nun weisst du alles."
Der Mann bedankte sich bei der Sonne und machte sich auf den Rückweg.
Der Fisch wartete schon auf ihn: „Hast du die Antwort der Sonne?"
„Bring mich erst über den Fluss, dann will ich es dir sagen", sprach der Mann. Als er auf der anderen Seite war, sagte er: „Du musst einen Menschen fressen, dann kannst du wieder tief tauchen". Als der Fisch das hörte, machte er einen Satz auf den alten Mann zu, doch der war schon zu weit fort. Bald kam er zur Frau mit den beiden Mädchen. Auch ihnen erzählte er, was die Sonne ihm gesagt hatte. Die Mädchen versprachen sich zu bessern und siehe da: Schon konnten sie ein wenig lächeln. Dann kam der Mann zum Birnbaum.
„Zwischen deinen Wurzeln ist ein Schatz, deshalb trägst du keine Früchte.“
„Bitte", sprach da der Birnbaum, „tu mir den Gefallen und grabe den Schatz aus." Der Mann grub zwischen den Wurzeln und fand einen grossen Goldschatz. Am Baum aber reiften augenblicklich süsse Früchte. Der Mann trug den Schatz nach Hause und von jetzt an waren die beiden Alten reich. Und die Eier? Ja, die fanden sie auch, es waren viele, viele Eier.
Aus: D. Jaenike, Kindermärchen für Klein und Gross, © Mutabor Verlag