Vom Françaisbad
Wenn der Wind über die Wellen der Aare streicht, dann erheben sie alle, die in ihnen ein gewaltsames Ende gefunden haben, ihr düsteres Klagelied. Sie umheulen das Françaisbad, allwo sie ihr Geld verspielt, ihre Nächte durchtobt haben. Sie rufen den Namen der Französin, die aus diesem Bade eine Stätte des Lasters und des Verbrechens machte. Sie drohen die geheime Türe, durch die man sie verschwinden liess, den unterirdischen Gang, der ihren wehrlosen Körper bis weit hinaus in die Aare trieb, zu zersprengen, zu zerreissen. Adelige sind es, die mit ihren Herren zum Besuche der Stadt kamen und in diese Höhle durch schöne Frauen, durch Hoffnung auf reichen Gewinn verlockt wurden... aber auch viele Patriziersöhne und reiche Herren, die heute noch im Windesbrausen um ihr junges, gemordetes Leben klagen und weinen.
Aus: Hedwig Correvon, Gespenstergeschichten aus Bern, Langnau 1919
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch