Der Lumpensammler
Einst war ein Lumpensammler, der ein Goldstück, das in den Lumpen steckte, für sich behielt. Wiewohl er schon lange gestorben ist, kommt er immer wieder in Gestalt eines Esels. An der Postgasse steht er still und schreit, dass das ganze Quartier von seiner Stimme widerhallt. Ein Mann wollte ihn einstmals suchen und ging in alle Höfe und Gassen. «Y-a!» tönte es stets wieder an einem andern Orte. Und als der Morgen über dem Turm der Nydeggkirche aufzusteigen begann, die Sonne in allen Winkeln zu leuchten sich anschickte, da hatte das Brüllen aufgehört - um in einer andern Nacht wieder zu ertönen, so schmerzlich und so jammervoll, dass es der, der es einmal gehört, nie mehr vergass.
Aus: Hedwig Correvon, Gespenstergeschichten aus Bern, Langnau 1919
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch