Ein schauerlicher Leichenzug
Es ist noch nicht lange her, da kam eine Büglerin nachts zwölf Uhr heim von ihrer Stör und erblickte an der Fricktreppe einen Leichenzug. Voran schritt ein Polizist und führte den Zug an. Sechs Träger trugen einen schwarzen Sarg. Hinter diesem schritten vier Kinder mit furchtbar verstümmelten Köpfen, und ihnen folgte ein endloser Zug verkrüppelter Zwerge. Stumm schritten sie einher. Der Zug wollte nicht enden. Immer noch mehr Krüppel, noch mehr verstümmelte Zwerge. Ein Grauen erfasste das Mädchen. Mit einem lauten Schrei stürzte es zu Boden, und monatelang wand es sich in heftigem Fieber.
Schon unsere Urahnen haben den Leichenzug des öftern gesehen.
Aus: Hedwig Correvon, Gespenstergeschichten aus Bern, Langnau 1919
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch