Beisetzung der Leiche des hl. Gallus
Bischof Johann von Konstanz begab sich nach Arbon zum Begräbnis des hl. Gallus. Nach gehaltener Seelenmesse, als man den Sarg ausheben wollte, konnten die Träger die Leiche nicht von der Stelle bringen. Der Bischof erblickte darin einen höheren Fingerzeig und sprach: "Gallus will nicht in Arbon beerdiget werden; ladet die Leiche auf einen mit zwei ungezäumten Rossen bespannten Wagen; lasset sie dann laufen, wohin sie selbst wollen!"
Die Rosse gingen gerade der Galluszelle zu. Gott preisend folgte der Prälat mit der Geistlichkeit und dem Volke der Leiche nach St. Gallen, wo man sie in der Kapelle zwischen dem Altare und der Wand unter Gebet einsenkte. Schon bei der Leiche geschahen Wunder: ein Lahmer, dem der Priester Willimar die Kleider des hl. Gallus übergeben, wurde durch die Berührung derselben geheilt. Die zwei Kerzen, die schon in Arbon angezündet worden, brannten dreissig Tage unaufhörlich.
Quelle: A. Oberholzer, Thurgauer Sagen, Frauenfeld 1912
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch