Der Holstei oder das Henselerloch
Zwischen Sitterdorf und Zihlschlacht befindet sich im Felsen eine Höhle, der Holistei (hohle Stein) oder das Senselerloch genannt. Von dieser erzählt das Volk folgendes:
Aus Furcht vor den raubenden und sengenden Appenzellern, oder vor der Pest, wie andere erzählen, hatte eine Anzahl Bischofszeller ihre Kirchengeräte und Wertsachen dorthin geflüchtet und vergraben. Nachdem die Gefahr vorüber war, hatte man sie am Osterdienstag mit Kreuz und Fahne abgeholt. Zum Andenken an die Erlösung aus der Gefahr fand jedes Jahr bis zur Reformation eine Prozession dorthin statt. Im I8. Jahrhundert wurde in Bischofszell ein Schneider vom Rat wegen Trunksucht und Schelmerei auf fünfzehn Jahre aus der Stadt verbannt und vom Stadtknecht an die Stadtgrenze geführt. In der Holisteihöhle richtete er sich häuslich ein und ging von dort aus auf die "Stör" zu den Bauern, soll aber auch denselben Obst und Feldfrüchte gestohlen haben. Um ihn los zu werden, legte man Feuer an seine Behausung. Glücklicherweise waren die fünfzehn Jahre vergangen, so dass er wieder nach Bischofszell zurückkehren konnte.
Quelle: A. Oberholzer, Thurgauer Sagen, Frauenfeld 1912
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch