Der Kleinhans von Wittenwil
Das Dorf Wittenwil hatte bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts lauter "Ammann" zu seinen Bewohnern, und die Bürger wachten eifersüchtig darüber, dass kein anderes Geschlecht ins Dorf eindringe. Einst wohnte daselbst ein Mann von ungewöhnlicher Körperkraft, Hans Ammann, gewöhnlich nur der Kleinhans genannt. Mit einem vom Schmied in Wittenwil verfertigten Eisenstabe stiess er in Konstanz ein Schiff voll Feinde in den Grund, und den Klöppel der grossen Glocke im Münster trug er allein auf die Glockenstube. Für seine Verdienste, die er sich um die Stadt Konstanz erworben hatte, gewährte diese ihm und seinen Nachkommen Zollfreiheit. (Die Sage, dass ein thurgauisches Geschlecht beim Verkehr mit der Stadt Zollfreiheit geniesse, soll auch in Konstanz bekannt gewesen sein.) Das Haus des Kleinhans, nebst einem grossen, in Eisen gebundenen Wetzstein, wurde noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts gezeigt.
Quelle: A. Oberholzer, Thurgauer Sagen, Frauenfeld 1912
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch