Noch etwas vom "Bruderwald"
Nachdem das Kloster Fischingen infolge der St. Ida-Legende grössere Berühmtheit erlangt hatte, da wählten die vielen Pilger, die nach dem Gnadenort Einsiedeln wallfahren wollten, den Weg über Fischingen und den Bruderwald, um auch diese früheste Stätte christlicher Niedergelassenen zu sehen. Da dieses Gelände aber sehr einsam und wild war, so benützten später räuberische Ritter und Burgherren diese Gelegenheit, um auf die frommen Pilger freche Überfälle auszuführen. Sie lauerten den Wehrlosen in einem Hinterhalt auf, fielen über die Pilgerzüge her und beraubten und plünderten sie oder töteten sie wohl gar bei ihrer Gegenwehr.
Im Volk erhielt sich die Erinnerung an diese Ereignisse noch lange Zeit. Wohl mag manches hinzugedichtet worden sein, so dass man sich später haarsträubende Dinge von diesen Rittern und ihren Gewalttaten, begangen an den Pilgern im Bruderwald, erzählte. Viele wollen auch noch Menschenknochen gefunden haben in jenen düstern Waldesgründen, als Zeichen und als Überbleibsel jener Gräuel in alter Zeit.
Mitgeteilt von Bosshard, Lehrer, in Arbon
Quelle: A. Oberholzer, Thurgauer Sagen, Frauenfeld 1912
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch