Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Eine Prise Salz

Land: Libanon
Region: Beirut
Kategorie: Novelle

Vor langer Zeit lebte ein König, der hatte eine einzige, wunderschöne Tochter. Sie war so schön, dass der König nicht im Traum daran dachte, sie zu verheiraten. Welcher junge Mann verdiente seine schöne Tochter und wüsste sie zu schätzen? So wies er lange Zeit alle Prinzen ab, die die Prinzessin heiraten wollten.

Aber die Berater des Königs wurden von Jahr zu Jahr unzufriedener. Sie sagten: «Die Prinzessin wird einmal Königin werden und später einmal einsam und ohne Nachkommen sterben!» Da hatte auch der König ein Einsehen und sprach: «Gut, meine Tochter soll heiraten, aber nur der soll sie zur Frau bekommen, der am meisten Salz essen kann.»

Bald sprachen alle im Land von der Aufgabe, die der König gestellt hatte, und nicht lange, da standen Hunderte von jungen Männern vor dem Palast. Dahinter bildete sich eine lange Schlange von Männern, jung und alt, arm und reich, die von der Schönheit der Prinzessin gehört hatten oder einfach reich werden wollten.

Endlich wurde der erste Mann eingelassen. Er betrat den Thronsaal, in dem viele Säcke mit Salz bereitstanden. Tapfer begann er, Salz zu essen, einen Beutel, dann einen zweiten. Doch dann bekam er Durst. Er rief verzweifelt nach Wasser, aber so viel er auch trank, es half nicht, er brach zusammen. Dem zweiten erging es ähnlich, dem dritten ebenfalls, auch der vierte wurde mit den Füssen voran aus dem Palast getragen.

Draussen aber, vor dem Palast, nahm die Zahl der Bewerber nicht ab. Jeder dachte, dass ausgerechnet er die Aufgabe erfüllten könnte, und vergass dabei, dass ihm der Tod drohte. Unter den Wartenden war auch ein junger Prinz. Er war schön wie der Mond, und als er den Palast betreten wollte, hielt der Wächter ihn auf und sagte: «Geh nicht hinein! Du bist ein junger, schöner Prinz und hast noch das ganze Leben vor dir, geh wieder zurück in dein Königreich!»

Aber der junge Mann lächelte nur, betrat den Palast und wurde in den Thronsaal geführt. Dort sass der König mit seiner wunderschönen Tochter, und um sie herum standen die Berater und Minister des Reiches. Der junge Mann schenkte der Prinzessin ein Lächeln, ging zu einem der vielen Säcke mit Salz und öffnete ihn.

Er nahm eine Prise Salz, schloss die Augen und liess das Salz genüsslich auf der Zunge zergehen. Dann sagte er: «Ich bin fertig!»

Der König sprang auf und rief: «Was? Du isst nur eine Prise Salz und mehr nicht?»

Der junge Mann verbeugte sich vor dem König und sprach: «Wer eine Prise Salz nicht geniessen kann, wird auch die Menge Salz nicht schätzen.»

Der König erkannte sogleich, dass dieser raffinierte junge Mann etwas Kostbares wirklich zu schätzen wusste. Die Prinzessin aber sah nicht nur das freundliche Lächeln des Prinzen, sondern auch, dass er ihr sehr gut gefiel, und sie rief: «Ich will ihn heiraten!»

Wie hätte der König den Wunsch seiner Tochter abweisen können? Bald wurde Hochzeit gefeiert, sieben Tage lang. Sie lebten noch lange glücklich zusammen, sie assen süss, sie assen salzig, genau so, wie sie es brauchten.

Fassung D. Jaenike, nach: P. Gay-Para, Beirut, Contes du Liban. La femme-chatte, Paris 2000, unter dem Titel «Une pincée de sel».

A pinch of salt

A long time ago, there lived a king who had a single, beautiful daughter. She was so beautiful that the king never dreamed of marrying her off. What young man deserved his beautiful daughter and would appreciate her? So for a long time he rejected all the princes who wanted to marry the princess.

But the king's advisors became more and more dissatisfied every year. They said: "The princess will one day become queen and later die lonely and without descendants!" Then the king came to his senses and said: "All right, my daughter shall marry, but only the person who can eat the most salt shall have her as his wife."

Soon everyone in the country was talking about the task the king had set, and before long, hundreds of young men were standing outside the palace. Behind them formed a long queue of men, young and old, rich and poor, who had heard of the princess's beauty or simply wanted to get rich.

Finally, the first man was let in. He entered the throne room, where many sacks of salt stood ready. He bravely began to eat salt, one bag, then another. But then he became thirsty. He called desperately for water, but no matter how much he drank, it didn't help and he collapsed. The second fared similarly, as did the third, and the fourth was also carried out of the palace feet first.

Outside the palace, however, the number of applicants did not decrease. Everyone thought that he, of all people, could fulfill the task, forgetting that he was threatened with death. Among those waiting was a young prince. He was as beautiful as the moon, and when he wanted to enter the palace, the guard stopped him and said: "Don't go in! You are a young, handsome prince and you still have your whole life ahead of you, go back to your kingdom!"

But the young man just smiled, entered the palace and was led into the throne room. There sat the king with his beautiful daughter, surrounded by the kingdom's advisors and ministers. The young man gave the princess a smile, went to one of the many sacks of salt and opened it.

He took a pinch of salt, closed his eyes and let the salt melt on his tongue with relish. Then he said: "I'm done!"

The king jumped up and shouted: "What, you only eat a pinch of salt and nothing more?"

The young man bowed to the king and said: "Anyone who cannot enjoy a pinch of salt will not appreciate a quantity of salt either."

The king immediately realized that this refined young man really appreciated something precious. The princess, however, not only saw the prince's friendly smile, but also that she liked him very much, and she exclaimed: "I want to marry him!"

How could the king have refused his daughter's wish? The wedding was soon celebrated for seven days. They lived happily together for a long time, eating sweet and savory food, just as they needed it.

Fassung D. Jaenike, nach: P. Gay-Para, Beirut, Contes du Liban. La femme-chatte, Paris 2000, unter dem Titel «Une pincée de sel», englische Fassung Lysander Jaenike © Mutabor Märchenstiftung.ch

رشة ملح

حكايات خرافية من لبنان
 

منذ زمن طويل، كان هناك ملك كان لديه ابنة واحدة جميلة. كانت جميلة جداً لدرجة أن الملك لم يحلم بتزويجها أبداً. أي شاب هذا الذي يستحق ويقدر ابنته الجميلة؟ ولفترة طويلة رفض جميع الأمراء الذين أرادوا الزواج من الأميرة.

لكن مستشاري الملك أصبحوا غير راضين أكثر فأكثر كل عام. قالوا: "الأميرة ستصبح ملكة يوماً ما، ثم تموت وحيدة وبدون ذرية!" ثم عاد الملك أيضاً إلى رشده وقال: "حسناً، يجب أن تتزوج ابنتي، ولكن فقط الشخص الذي يستطيع أن يأكل أكثر كمية م الملح، يجب أن يكون زوجة له!"

وسرعان ما بدأ الجميع في البلاد يتحدثون عن المهمة التي حددها الملك، ولم يمض وقت طويل حتى وقف مئات الشباب أمام القصر. وفي الخلف كان هناك صف طويل من الرجال، صغاراً وكباراً، فقراء وأغنياء، الذين سمعوا عن جمال الأميرة أو ببساطة أرادوا أن يصبحوا أثري.

وأخيرا سُمح للرجل الأول بالدخول. دخل إلى غرفة العرش، حيث كانت تنتظره أكياس كثيرة من الملح. وبشجاعة بدأ يأكل الملح، كيساً تلو الآخر. ولكن بعد ذلك شعر بالعطش. لقد طلب الماء بشدة، لكن مهما شرب، لم يساعده وانهار. ولقي الثاني نفس المصير، وفعل الثالث نفس الشيء، وحُمل الرابع أيضاً على قدميه خارج القصر.

لكن في الخارج، أمام القصر، لم ينخفض ​​عدد المتقدمين. ظن الجميع أنه من بين كل الناس يستطيع إكمال المهمة، متناسين أنه مهدد بالموت. وكان هناك أيضاً أمير شاب بين المنتظرين. كان جميلاً كالقمر، وعندما أراد أن يدخل القصر أوقفه الحارس وقال: «لا تدخل! أنت أمير شاب وجميل ولا تزال حياتك كلها أمامك، عد إلى مملكتك!

لكن الشاب ابتسم فقط ودخل القصر واقتيد إلى غرفة العرش. وهناك جلس الملك مع ابنته الجميلة، ومن حولهم وقف مستشارو الإمبراطورية ووزراءها. ابتسم الشاب للأميرة، ومشى نحو أحد أكياس الملح العديدة وفتحه.

أخذ رشة من الملح، وأغمض عينيه، وترك الملح يذوب على لسانه باستمتاع. ثم قال: "لقد انتهيت!"

فقفز الملك وصاح: "ماذا؟ أنت تأكل قليلاً من الملح فقط ولا شيء أكثر؟"

انحنى الشاب للملك وقال: "من لا يستطيع أن يستمتع بذرة ملح لن يقدر كمية الملح"

أدرك الملك على الفور أن هذا الشاب المتطور يقدر حقاً شيئاً ثميناً. لكن الأميرة لم تر ابتسامة الأمير الودية فحسب، بل رأت أيضاً أنها تحبه حقاً، فصرخت: "أريد الزواج منه!"

كيف يمكن للملك أن يرفض رغبة ابنته؟ وسرعان ما تم الاحتفال بالزفاف الذي استمر سبعة أيام. لقد عاشوا معاً بسعادة لفترة طويلة، وكانوا يأكلون الحلو، ويأكلون المالح، تماماً كما كانوا يحتاجون.

نسخة ج. جانيكه، بعد: ب. غاي بارا، بيروت، حكايات لبنان، المرأة القطة، باريس 2000، تحت عنوان "رشة ملح".

Libanon liegt am Mittelmeer, grenzt an Syrien und Israel und hat seinen Namen von den weissen Gipfeln der Gebirgskette, die sich über 160 km parallel zur Küste erstreckt. Es ist das einzige Land im arabischen Raum, das keine Staatsreligion festgelegt hat. Dadurch ist es geprägt durch ein Nebeneinander zahlreicher Religionen, was auch in der Regierung repräsentiert wird. Auf Unabhängigkeit und drei Jahrzehnte Stabilität folgten Bürgerkrieg, Terroranschläge und Wirtschaftskrise. Dreiviertel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Hunger und Arbeitslosigkeit beherrschen den Alltag. Libanon weist von allen Staaten der Welt die höchste Flüchtlingszahl auf. Grösstenteils vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflüchtete Menschen,  seit Herbst 2023 vermehrt Menschen aus Palästina.