Die Farnkrautwache
Man sagt, dass man in einer einzigen Nacht reich werden kann. Wenn am 23. Juni das Johannisfest gefeiert wird, muss man um Mitternacht am richtigen Ort sein. Dort, wo der Waldboden mit Farn bedeckt ist, soll um Mitternacht der Teufel erscheinen und seinen Geldbeutel öffnen. Wenn die Glocke zwölfmal geschlagen hat, beginnt der Boden unter den Füßen zu beben, die Bäume scheinen zu tanzen und der Teufel erscheint auf seinem nachtschwarzen Pferd. Man sieht sein hämisches Grinsen, die spitzen Hörner auf dem Kopf und die hässlichen Krallen an Füssen und Händen. Jetzt ist der Augenblick den Zauberspruch aus dem Grimoire aufzusagen:
Sandniboulenikillebarrabaproginkivalà,
Metrokrétondévôgrômalôtrukironfleronlà!
Kaum hört der Teufel diese Worte, so wirft er einen Geldbeutel hin. Man darf sich nicht bedanken, nicht mehr aufschauen, man muss sich gleich auf den Heimweg machen, damit man noch vor dem ersten Sonnenstrahl zu Hause ist.
Die einen sagen, der Geldbeutel sei voller Goldstücke, die anderen, der Teufel selbst sei darin. Keiner weiss es genau, denn die meisten, sind vor lauter Angst schon vor Mitternacht wieder umgedreht und die, die den Geldbeutel bekommen haben, schweigen.
Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach: „La veillée de la Fougère“, in: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch