Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Riesenbirne und Riesenkuh

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Schwank

Früher, da gab es in der Schweiz Birnen, die waren tausend Mal grösser als heute. Das waren die Riesenbirnen. Wenn so eine Riesenbirne abgefallen war, rollte man sie in den Keller und zapfte ihr den Saft ab, sodass alle genug Birnensaft hatten. Der Stiel der Riesenbirne aber war so gross, dass zwei Männer mit einer Baumsäge kommen mussten, um ihn abzusägen. Danach wurde der abgesägte Stiel in die Sägerei gebracht und zu Brettern gesägt, daraus konnte man fast ein ganzes Haus bauen. Es gab damals nicht nur Riesenbirnen, sondern auch Riesenkühe. Wenn diese Riesenkühe gemolken wurden, gaben sie so viel Milch, dass man Teiche graben musste, um sie aufzubewahren. Dann fuhren die Männer auf kleinen Booten auf dem Teich herum und schöpften oben den Rahm ab. Das Merkwürdigste aber waren die Kuhhörner. Sie waren so gross und so lang, das könnt ihr euch kaum vorstellen. Wenn man an Ostern in das Kuhhorn hineinblies, so kam der Ton erst an Pfingsten heraus.

Fassung D. Jaenike, nach: O. Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz, Aarau 1869. Der Ton brauchte übrigens genau 50 Tage, denn so viele liegen zwischen Ostern und Pfingsten.