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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der goldene Apfel

Land: Armenien
Kategorie: Schwank

Es war einmal ein König, der hörte gerne Lügengeschichten. Deshalb liess er ausrufen: „Wer dem König die beste Lüge erzählt, bekommt einen goldenen Apfel.“

Nun kamen Leute aus dem ganzen Königreich und erzählten dem König Lügengeschichten. Aber ihm gefiel keine einzige. „Das ist keine Lügengeschichte“, sagte er jedes Mal, „das könnte wahr sein“.

Auch der Minister und die Berater des Königs erzählten Lügengeschichten, aber den goldenen Apfel bekamen sie nicht.

Einmal kam ein alter Bettler mit einem grossen Topf in den Palast.

„Was willst du?“, fragte der König.

Der Bettler verbeugte sich und sagte: „Ihr schuldet mir einen Topf voll Gold.“

„Das ist nicht wahr.! Du lügst!“, rief der König.

„Wenn das eine Lüge ist, dann gebt mir den goldenen Apfel“, sagte der Bettler.

Das wollte der König nicht, und sagte schnell: „Nein, nein, du hast die Wahrheit gesagt.“

„Wenn ich die Wahrheit gesagt habe, dann füllt meinen Topf mit Gold .“

Da merkte der König, dass der alte Mann ihn überlistet hatte. Er gab ihm den goldenen Apfel, und der Bettler ging damit glücklich davon.

Von diesem Tag an hörte der König lieber die Wahrheit, als Lügengeschichten.

Fassung Djamila Jaenike, nach: L. Surmelian, Armenische Märchen, Frankfurt a. M. 1968, unter dem Titel: Der Lügner. © Mutabor

The golden apple

Once upon a time there was a king who liked to hear tall tales. So he proclaimed: “Whoever tells the king the best lie will get a golden apple.”

So people came from all over the kingdom and told the king tall tales. But he didn't like any of them. “That's not a tall tale”, he said each time, ‘it could be true’.

The minister and the king's advisors also told tall tales, but they didn't get the golden apple.

Once, an old beggar came into the palace with a large pot.

“What do you want?” asked the king.

The beggar bowed and said: “You owe me a pot of gold.”

“That's not true! You're lying!” shouted the king.

“If that's a lie, then give me the golden apple,” said the beggar.

The king didn't want that and quickly said, “No, no, you told the truth.”

“If I have told the truth, then fill my pot with gold .”

Then the king realized that the old man had tricked him. He gave him the golden apple and the beggar walked away happily.

From that day on, the king preferred to hear the truth rather than lies.

Fassung Djamila Jaenike, nach: L. Surmelian, Armenische Märchen, Frankfurt a. M. 1968, unter dem Titel: Der Lügner. Übersetzung ins Englische Lysander Jaenike © Mutabor

Ոսկե խնձորը

Կար-չկար մի թագավոր կարորը շա՜տ էր սիրում սուտ պատմություններ լսել։ Այդ պատճառով նահրամայեց հայտարարել. «Նաով ինձ կարողանա ամենալավ սուտը պատմելկստանա ոսկեխնձոր»։

Թագավորության բոլոր կողմերից մարդիկ եկան և թագավորին բազում սուտ պատմություններպատմեցին։ Բայցավա՜ղդրանցից ոչ մեկը նրան դուր չեկավ։ «Սա սուտ պատմություն չէսակարող է և ճշմարտություն լինել»,— ասում էր նա ամեն անգամ։

Նույնիսկ նախարարներն ու խորհրդականները փորձեցին իրենց ուժերը՝ պատմելով սրամիտ սուտպատմություններբայց նրանք էլ ոսկե խնձորը չստացան։

Եվ ահա մի օր մի ծեր մուրացկան՝ ցնցոտիների մեջ կորածեկավ պալատ՝ ձեռքին ունենալով միմեծ կարաս։ «Ի՞նչ է ուզածդ»,— հարցրեց թագավորը։

Մուրացկանը խոնարհվեց և ասաց. «Ինձ մի կարաս ոսկի ես պարտքեկել եմ տանեմ»։ «Մի կարասոսկի՞։ Դա ճիշտ չէ՛դու ստում ես»,— գոռաց թագավորը։ «Թե որ սուտ եմ ասումտո՛ւր ինձ ոսկեխնձորը»,— ասաց մուրացկանը։

Թագավորը այլայլվեց և ասաց. «Չէ՛չէ՛ճշմարիտ ես ասում»։ «Թե ճշմարիտ եմ ասումլցրո՛ւ կարասըոսկով»,— պատասխանեց մուրացկանը։

Այդ ժամանակ թագավորը հասկացավոր ծեր մուրացկանը խելքով գերազանցել է իրեն ևճարպկությամբ հիմարացրել։ Թագավորը նրան շնորհեց ոսկե խնձորըև մուրացկանը ուրախհեռացավ պալատից։

Այդ օրվանից սկսած թագավորը նախընտրում էր լսել ճշմարտությունը և ոչ թե սուտը։

Fassung Djamila Jaenike, nach: L. Surmelian, Armenische Märchen, Frankfurt a. M. 1968, unter dem Titel: Der Lügner, © Mutabor, Übersetzung Tsovinar Avagyan

Armenien ist ein Binnenstaat in einer strategisch wichtigen Region des südlichen Kaukasus. Es war das erste Land, das das Christentum als Staatsreligion annahm. Es hat politisch eine wechselvolle Geschichte mit mehreren Pogromen gegen die armenische Bevölkerung. Seit der Unabhängigkeit 1991 führen Grenzkonflikte und Korruption zu Auswanderungswellen, da die Menschen um ihre politische und religiöse Sicherheit fürchten.