Warum das Rotkehlchen eine rote Brust hat
Einmal im Herbst zog ein Jäger nach Norden, um Elche zu jagen. Er baute sich eine Hütte an einem See, stopfte die Ritzen mit Moos aus, deckte sie mit Hemlocktannenzweigen und liess nur ein kleines Rauchloch offen.
Jeden Tag folgte er den Spuren der Tiere, aber er fand keine Elche. Er schoss nur kleines Wild, litt bald Hunger und wurde immer schwächer. Bald konnte er nicht mehr aufstehen, das Feuer war fast erloschen und die Kälte breitete sich aus.
Doch der Mann wollte nicht sterben und rief mit letzter Kraft: „Wer auch immer da ist - bitte hilf mir!“
Immer wieder rief er diese Worte, bis er auf einmal ein zartes Zwitschern hörte. Ein kleiner Vogel kam durch das Rauchloch geflogen, umkreiste ihn und sang: „Ziwiziwi, du hast mich gerufen, ich will dir helfen. Ziwiziwi!“
Es flog zum Feuer und suchte in der Asche, bis es ein Stückchen Glut fand. Dann flog es wieder davon. Nicht lange danach, kam es zurück, den Schnabel voll trockener Zweige. Es legte sie auf die Glut und fing an mit seinen Flügeln zu fächeln, bis das Feuer aufloderte und die Flammen hochschlugen. Und weil das Feuer so hell brannte, färbte sich die braune Brust des Vögelchens ganz rot.
Die Wärme breitete sich in der Hütte aus, das Vögelchen flog davon, holte noch mehr trockene Zweige. Bald brannte das Feuer munter vor sich hin. Nicht lange, da fror der Mann nicht mehr und kam er wieder zu Kräften.
„Ziwiziwi, bald bist du wieder gesund, Ziwiziwi!“, sang der kleine Vogel.
Nach einigen Tagen war der Jäger gesund genug, um auf die Jagd zu gehen. Er fand Elchspuren und machte reiche Beute.
Das Rotkehlchen wartete auf ihn und sang:
„Ziwiziwi, jetzt muss ich fort, aber im Frühling kehre ich zurück“, dann flog es davon.
Der Jäger verschloss die Hütte und kehrte nach Hause zurück, beladen mit genügend Wild für den langen Winter.
Als der Schnee schmolz und der Frühling sich ankündigte, kehrte der Mann in seine Hütte zurück. Auch das Rotkehlchen war wieder da. Es baute sein Nest im Baum neben der Hütte und zog im Sommer fünf Junge auf. Seit dieser Zeit sind die Rotkehlchen die Freunde der Menschen und bauen ihre Nester immer in ihrer Nähe und bis heute sind ihre Brustfedern leuchten rot.
Fassung Djamila Jaenike, nach: M. Powers, Stories the Iroquois Tell Their Children, 1917 © Mutabor. In dieser Geschichte ist das Amerikanische Rotkehlchen, die Wanderdrossel, gemeint.