Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Lebkuchenmann

Land: Vereinigte Staaten
Region: Nordamerika
Kategorie: Formel-/Kettenmärchen

In einem kleinen Häuschen lebten einmal ein alter Mann und eine alte Frau. Sie hatten nicht viel, aber auch nicht wenig, und es ging ihnen gut. Eines Tages wollte die Frau Lebkuchen backen. Sie rührte den Teig zusammen, heizte den Ofen an und formte schöne Lebkuchen. Aus dem letzten Stück machte sie einen Lebkuchenmann. Sie schob die Lebkuchen in den Ofen und bald duftete es in der Küche herrlich. 

„Gleich sind die Lebkuchen fertig“, dachte die Frau und öffnete den Ofen ein wenig. Aber was war das! Der Lebkuchenmann sprang aus dem Ofen, geradewegs aus dem Haus. Die alte Frau lief hinter ihm her, auch der Mann ging ihm nach, aber der Lebkuchenmann rief:

Ich bin gegangen,
ihr könnt mich nicht fangen,
Ich bin der Lebkuchenmann!

Er lief den beiden Alten davon, bis er zu einer Mühle kam. Als die Müllersknechte den Lebkuchenmann sahen, liessen sie die Kornsäcke liegen und sprangen ihm hinterher. Aber der Lebkuchenmann rief:

Ich bin den Alten entkommen,
ihr könnt mich nicht fangen,
Ich bin der Lebkuchenmann!

Er rannte davon und kam auf eine Wiese, dort stand eine Kuh. Als sie den Lebkuchenmann sah, lief sie ihm hinterher, aber der Lebkuchenmann rief:

Ich bin den Alten entkommen,
den Müllersknechten entronnen
du kannst mich nicht fangen,
Ich bin der Lebkuchenmann!

Er rannte davon bis in den Wald. Dort war ein Fuchs, der sah den Lebkuchenmann, er leckte sich die Schnauze und sprang ihm nach. Der Lebkuchenmann rief:

Ich bin den Alten entkommen,
den Müllersknechten entronnen
Der Kuh bin ich entgangen
Du kannst mich nicht fangen
Ich bin der…

Da hatte der Fuchs ihn eingeholt und verschlang ihn mit einem Haps. Fort war er, der Lebkuchenmann.

Fassung Djamila Jaenike, in: Zeitschrift Märchenforum Nr. 108, ©Mutabor Verlag