Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Zahl der Esel

Land: Algerien
Region: Berber
Kategorie: Schwank

Ein Mann hatte sieben Esel. Er wollte sie auf dem Markt verkaufen. Bevor er losging, zählte er sie und sagte: «Es sind sieben, das ist gut.» Dann setzte er sich auf einen der Esel und ritt los. Unterwegs dachte er: «Ich will sehen, ob noch alle sieben Esel da sind», und er begann zu zählen: «Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs…». Er schaute sich um, doch es standen nur sechs Esel um ihn herum. «Bestimmt habe ich falsch gezählt: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs… Wo ist der siebte Esel?» 
Er zählte noch einmal und noch einmal. Schliesslich rief er: «Ich muss nach Hause. Meine Frau soll die Esel zählen.»
Es war schon Abend, als er zu Hause ankam. Er rief nach seiner Frau. Als diese aus dem Haus trat, sagte er: «Ich bin mit sieben Eseln losgegangen, aber jetzt habe ich nur noch sechs. Ich habe keinen verloren und auch keinen verkauft. Bitte zähle du die Esel.»
Die Frau zählte die Esel, lachte und sagte: «Schau, da sind sechs Esel und auf dem siebten sitzt du. Du hast keinen verloren, sondern einen dazugewonnen. Du bist der achte Esel! Komm herein, es ist Essenszeit.»
Der Mann brachte alle sieben Esel in den Stall, froh, dass das Abenteuer ein gutes Ende gefunden hatte. Ob er aber am nächsten Tag noch einmal zum Markt ging, das wird nicht erzählt.

Fassung D. Jaenike, nach: H. Klein, Märchen der Kabylen, 

Jena 1967

The Number of Donkeys
A man had seven donkeys. He wanted to sell them at the market. Before he set off, he counted them and said, “There are seven, that's good.” Then he sat on one of the donkeys and rode off. On the way, he thought, “I want to see if all seven donkeys are still there,” and he began to count: “One, two, three, four, five, six...” He looked around, but there were only six donkeys around him. “I must have counted wrong: one, two, three, four, five, six... Where is the seventh donkey?” 
He counted again and again. Finally, he cried out, “I have to go home an let my wife count them.”
It was already evening when he arrived home. He called for his wife. When she came out of the house, he said: “I left with seven donkeys, but now I only have six. I haven't lost any and I haven't sold any. Please count the donkeys.”
The woman counted the donkeys, laughed and said: "Look, there are six donkeys and you're sitting on the seventh. You haven't lost one, you've gained one. You are the eighth donkey! Come in, it's time to eat."
The man brought all seven donkeys into the stable, glad that the adventure had ended well. Whether he went back to the market the next day, the story does not say.

Fassung D. Jaenike, nach: H. Klein, Märchen der Kabylen, 

Jena 1967, Übersetzung L. Jaenike

Le nombre d'ânes
Un homme avait sept ânes. Il voulait les vendre au marché. Avant de partir, il les compta et dit : « Il y en a sept, c'est bien. » Puis il s'assit sur l'un des ânes et partit. En chemin, il se dit : « Je vais vérifier si les sept ânes sont toujours là », et il commença à compter : « Un, deux, trois, quatre, cinq, six... ». Il regarda autour de lui, mais il n'y avait que six ânes. « J'ai sûrement mal compté : un, deux, trois, quatre, cinq, six... Où est le septième âne ? » 
Il compta encore et encore. Finalement, il s'écria : « Je dois rentrer à la maison. Ma femme comptera les ânes. »
Il était déjà soir lorsqu'il arriva chez lui. Il appela sa femme. Lorsqu'elle sortit de la maison, il lui dit : « Je suis parti avec sept ânes, mais je n'en ai plus que six. Je n'en ai perdu aucun et je n'en ai vendu aucun. Compte les ânes, s'il te plaît. »
La femme compta les ânes, rit et dit : « Regarde, il y a six ânes et tu es assis sur le septième. Tu n'en as pas perdu un, mais tu en as gagné un. Tu es le huitième âne ! Entre, c'est l'heure de manger. »
L'homme ramena les sept ânes à l'étable, heureux que l'aventure se soit bien terminée. Mais on ne sait pas s'il est retourné au marché le lendemain.

Fassung D. Jaenike, nach: H. Klein, Märchen der Kabylen, 

Jena 1967, Übersetzung L. Jaenike

 

Algerien ist das grösste Land Afrikas und geprägt von einer jungen Bevölkerung, mit überwiegend arabischer und berberischer Herkunft. Soziale Ungleichheiten und eine hohe Arbeitslosigkeit führen immer wieder zu Spannungen. Die Hirak-Bewegung vereinte verschiedene gesellschaftliche Schichten in friedlichen Protesten gegen Korruption und das autoritäre Regime. Sie wurde jedoch durch Repressionen stark geschwächt. Viele Menschen flüchten aus wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit ins Ausland.