Das magische Pferd
Vor langer Zeit lebte einmal ein König, der war reich und mächtig. Deshalb liessen ihm die Könige anderer Länder Geschenke bringen.
Eines Tages kam ein Mann aus einem fernen Königreich. Er war ein Zauberer. Er brachte dem König ein Pferd aus Eisen. Das Pferd hatte Flügel, wenn man daran zog, konnte man damit bis zu den Wolken fliegen. Der König freute sich über das kostbare Geschenk. Er liess einen Pavillon bauen und stellte das Pferd hinein, sodass es alle bewundern konnten.
Der König hatte einen Sohn, der war schön, wie der Mond. Wie gerne wäre er mit dem magischen Pferd bis zu den Wolken geflogen! In einer Nacht schlich er sich aus seiner Kammer, setzte sich auf das Pferd und zog an den Flügeln. Da erhob sich das Pferd in die Luft und flog mit dem Prinzen durch die Nacht.
Lange flog er, bis er unter sich einen Palast sah. In einer Kammer war noch Licht. Er lenkte das Zauberpferd in den Garten des Palasts und betrat das Zimmer einer Prinzessin, die schön war wie der Abendstern. Sie erschrak, als sie den Fremden sah. «Hab keine Angst. Ich bin mit einem magischen Pferd zu dir gekommen», sagte er.
Da wurde die Prinzessin neugierig. Sie sprachen die ganze Nacht miteinander und wollten sich gar nicht mehr trennen. Als die Sonne aufging, bat der Prinz: «Komm mit mir in mein Land und werde meine Königin».
Gemeinsam bestiegen sie das Zauberpferd. Der Prinz zog an den Flügeln und schon flogen sie über den Himmel in sein Königreich. Im Garten vor dem Palast hielt er das Pferd an und sagte zur Prinzessin: «Warte hier. Ich will meinem Vater von meinem Flug berichten und ihn zu dir führen.»
Nun stammte die Prinzessin aber aus dem Land, aus dem auch der Zauberer kam. Dieser wusste sogleich, dass der Prinz sie entführt hatte. Er fand das Zauberpferd und flog mit der Prinzessin davon.
Als der Prinz mit seinem Vater in den Garten zurückkehrte waren das Pferd und die Prinzessin verschwunden. «Das muss der Zauberer gewesen sein», sagte der König. Der Prinz weinte vor Sehnsucht nach der Prinzessin. Dann ritt er in die Welt hinaus, um sie zu suchen.
Schliesslich kam er auch in ihr Königreich. Dort wollte ihr Vater sie mit einem anderen König verheiraten. Doch die Prinzessin tat so, als wäre sie schwer krank und niemand konnte ihr helfen. Der Prinz schlich in den Garten des Palasts. Nachts klopfte er an das Fenster der Prinzessin. Wie gross war ihre Freude, als sie ihn sah!
«Lass uns fliehen!», sprach er. Sie bestiegen das Zauberpferd und flogen gemeinsam nach Hause.
Dort wurde eine grosse Hochzeit gefeiert. Der Prinz und die Prinzessin bekamen viele Kinder, und als der alte König starb, bestiegen sie den Thron. Das magische Pferd aber versteckten sie so gut, dass niemand es je wieder gefunden hat.
Fassung Djamila Jaenike © Mutabor, nach: R. Basset, Nouveaux contes berbères, Paris 1897
Algerien ist das grösste Land Afrikas und geprägt von einer jungen Bevölkerung, mit überwiegend arabischer und berberischer Herkunft. Soziale Ungleichheiten und eine hohe Arbeitslosigkeit führen immer wieder zu Spannungen. Die Hirak-Bewegung vereinte verschiedene gesellschaftliche Schichten in friedlichen Protesten gegen Korruption und das autoritäre Regime. Sie wurde jedoch durch Repressionen stark geschwächt. Viele Menschen flüchten aus wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit ins Ausland.