Mutabor Märchenstiftung

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Das goldene Tor

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Kategorie: Sage

Über den kleinen Quellweiher nahe bei Kloten wird erzählt, dass sich unter dem Wasser eine goldene Stadt verbirgt. Manche sagen auch, dass die früheren Burgherren von Kloten hätten dort ihre Goldschätze versteckt, als sie vor Feinden flüchten mussten. Manchmal aber, man das Glitzern und Glänzen der Schätze noch schimmern sehen. Dieser Goldschatz wird jedoch von Wassernixen gehütet – wehe dem, der sich von ihnen verlocken lässt.

Es ist schon lange her, da sass einmal ein Junge am Ufer des Teichs. Er hütete die Schafe und liess sie in Ruhe grasen, während er auf das glitzernde Wasser schaute. Da bewegte sich auf einmal die Wasseroberfläche und eine Wasserfrau erschien. Sie winkte dem Jungen zu, wobei ein goldener Ring an ihrer Hand funkelte. Der Junge konnte die Augen nicht mehr von dem Schmuckstück abwenden. Als die Wasserfrau näherkam, griff er nach dem Ring. Da packte die Nixe seine Hand, er fiel mit einem Aufschrei ins Wasser und sie zog ihn in die Tiefe des Weihers.

Nicht weit vom Wasser entfernt arbeitete ein Bauer auf seinem Feld. Er hörte den Schrei, lief zum Wasser und suchte nach dem Jungen, bis er ihn endlich zu fassen bekam und zog ihn an Land.

Als der Junge wieder zu sich kam, begann er zu erzählen: «Als ich ins Wasser fiel, zog mich die Nixe mit sich in die Tiefe. Dort glänzte alles wunderbar, und sah aus wie verzaubert. Wir kamen zu einem goldenen Tor. Eine andere Wasserfrau wartete auf uns. Da liess mich die Nixe los, und augenblicklich war ich wieder oben, wo du mich herausgezogen hast.»

Der Bauer konnte nur den Kopf schütteln, doch seither erzählen sich die Leute von dem goldenen Tor und nennen den Quellweiher bis heute «Goldigs Tor».

Der Junge hat sein Erlebnis nie vergessen. Oft sass er am Wasser und wartete darauf, dass die Nixe wieder erschien. Doch alles, was er sah, war das goldene Glitzern des Wassers.

Fassung D. Jaenike, nach: M. Lienert, Schweizer Sagen und Heldengeschichten, Stuttgart 1915, und: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Unterland, © Mutabor