Der Schatz im Arniloch in Engelberg
Oberhalb von Engelberg liegt die Arnialp. Dort soll es eine Schatzhöhle geben, das Arniloch. Die Alten erzählen, der eine oder andere hätte durch einen Spalt in der Felswand in einen Saal voller Gold und Edelsteine geblickt. Aber niemand hat jemals einen Zugang zu den Schätzen gefunden. Wer es doch versucht hat, wurde von herabfallenden Steinen oder gar Eiszapfen getroffen und war froh, mit dem Leben davongekommen zu sein.
Vor langer Zeit kam ein Venediger zur Arnialphütte und fragte nach einem Begleiter zum Arniloch.
«Da gehen wir nicht hin», sagten die Älpler, «das ist zu gefährlich!»
Weil der Venediger jedoch guten Lohn versprach, rief schliesslich ein Hütejunge: «Ich komme mit».
Gemeinsam stiegen sie zum Eingang des Arnilochs. Der Venediger zündete zwei Kerzen an und sagte: «Was auch immer du dort drinnen siehst, du darfst kein Wort sagen!»
Der Junge versprach es und sah, wie der Venediger in einem Buch zu lesen begann. Plötzlich hörte man ein Grollen und Donnern aus der Tiefe. Der Junge bekam Angst und begann zu zittern. Der Venediger las weiter laut in fremder Sprache ausdem Buch. Auf einmal aber polterte es so laut in der Höhle, dass der Hirtenjunge laut aufschrie. Im selben Augenblick wurde er zu Boden geschleudert und blieb bewusstlos liegen. Dort fanden ihn die Hirten am Abend und trugen ihn nach Hause. «Hast du das Gold in der Höhle gesehen?» fragten sie ihn, doch er schüttelte nur den Kopf und sprach zeitlebens kein richtiges Wort mehr und der Venediger blieb für immer verschwunden.
Fassung Djamila Jaenike, nach: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. © Mutabor