Wildmannlis schlecht Wetter
Auf dem Waldboden oberhalb Haldenstein hatte ein Bauer seinen Maiensäss. In einer Höhle unweit davon hauste ein Wildmannli. Das half mitunter beim Füttern und Melken aus, wenn der Mann einmal nicht zur Zeit da war, weil er krank lag oder Geschäft hatte. Einmal schneite es so stark, dass der Bauer nicht wagte, hinaufzugehen, und so blieb e vier Tage drunten im Tal und meinte das Wildmannli werde ihm das Vieh, wie so oft schon, aufs beste besorgen. Am Abend des vierten Tages war der Himmel noch ganz bedeckt, am Morgen hell, der Föhn ging, und es taute, dass es troff. Ungesäumt machte der Mann sich nach dem Waldboden auf; aber wie er in den Stall trat, da war alles bös bestellt. Das Vieh brüllte vor Hunger und hatte die Barren angekerft, die Kühe waren nicht gemolken und hatten bresch, gemistet war auch nicht, nichts war besorgt. Knurrend und murrend machte sich der Bauer an die Arbeit und hatte vollauf zu tun, um allen Schaden gut zu machen.
Aber nach einigen Tagen, da kam der Fängg wieder wie sonst in den Stall und machte sich dort zu schaffen. Da schalt ihn der Bauer und sprach: «Gell, allawyl in myn Stall go hogga, das tuast! Aber für mi Vehli luaga, wia versprocha hest, das magst nit!» Da antwortete das Männlein:
«Wenn alli Wetter Wetter sind, Das leidist Wetter ist der Wind!»
Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch