Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Zwergenfrau

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Die Gotwergini konnten es gut mit den Menschen. Einmal nahm ein Bauer ein Gotwergi sogar zur Frau. Aber er hatte ihr vor der Heirat versprechen müssen, dass er ihr nie widerrede. So verging manches Jahr. Eines Sommers ging das Gotwergi auf den Acker. Der Roggen war bald reif, aber noch war’s zu früh zum Schneiden. Aber das Weiblein schnitt alles Getreide und trug es in den Stadel. Der Mann daheim fragte, wo es gewesen sei. «Koru geschnittn hän i.» - «Aber das ist ja no nit ripfs», sagte der Mann. «Das versteihst dü nit. Jetz han i mit dier gniog, dHeyrat ist üs!» sprach das Gotwergi, und fort war es und wurde nie wieder gesehen. In der Nacht fiel ein starker Schnee und verdarb alles Korn, das noch auf dem Acker stand.

Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch