Die Milchdiebe
Einem Mann von Zermatt brachen zwei Gotwergini, ein altes und ein junges, auf der Alp in den Milchkeller ein, um Nidel zu naschen. Das war dem Bauer gar nicht lieb, und er schloss seinen Keller fest ab. Es half aber nichts, sie kamen doch hinein, er wusste nicht wie. Da passte er ihnen auf, aber die Männlein kehrten sich nicht daran. Mit dem Arm getraute der Mann sich nicht gegen sie. Da nahm er eine Handwanne, ging in den Keller und verbarg sich darunter. Wie die Gotwergini wieder kamen, rüttelte und schüttelte er die Wanne, dass es nur so tschätterte, denn er meinte, sie würden vor Schrecken davonstieben wie die Mäuse. Und wirklich wurde das junge Gotwergi bange und wollte davonlaufen. Aber das alte hielt es am Ärmel und lachte: «Lass du dWanderli nur rütteln, und schlapps du brav.»
Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch