Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Herdmannli und der Fischer

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

Hans Bucher von Malters, ein frommer, stiller Mann, trieb in seinen Tagen gar eifrig Jagen und Fischen in der Wildi am Pilatus. Und von jeher schon hätte er ums Leben gern auch einmal ein Herdmannli mit eigenen Augen gesehen. Eines Tages fischte er nach seiner Gewohnheit wiederum im Rümlig Forellen. Und wie er so dastand und nach dem Angel schaute, da sprang ihm gählings bei heiterhellem Tag ein Herdmannli hinterwärts rittlings auf den Nacken und drückte ihn mit solcher Kraft vornieder in den Bach, dass er meinte, sein letztes Stündlein sei gekommen. «Du bist auch der Gesellen einer», rief das Mannli zornig, «die mir so oft meine Tierlein und mein Vieh geplagt und verdorben! Wahrlich, du wirst mich und meine Tierlein fürderhin an diesem Orte nicht mehr stören!» Damit liess es ihn los und war verschwunden. Lange lag der Mann wie gelähmt da, und so schwach und übel zugerichtet war er, dass er sich kaum noch heimschleppen konnte. Und auf der einen Seite blieb er für immer lahm, so dass er seither der Wildi sich hat enthalten und das Haus gaumen müssen.

Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch