Der kleine Heuer
Allemal wenn auf Tableten Heuet war, kam von der Fluh ein Bergmännlein auf die Matten herab und half den Leuten das Heu schöcheln, bündeln und in die Scheune tragen. Hing gar ein Unwetter am Himmel und alles arbeitete wie letz, um das Heu noch vor den ersten Tropfen einzubringen, alsdann erschien der Wicht mit zwei Haselzwicken, ging hinaus ins verzettelte Heu oder Emd und schlug mit seinen Ruten gewaltig um sich. Alsgemach erhub sich das Heu vom Boden und fing an, immer schneller und schneller im Wirbel zu kreisen und bewegte sich geradeswegs auf den Gaden zu und schnützte zuletzt, wie vom Sturmwind getrieben, auf allen Seiten zu den Schwemmen hinein, während hinterdrein das Männlein aus Leibeskräften mit seinem Stecken unablässig auf das fliegende Heu losschlug. So kam das Heu im Nu noch trocken unter Dach.
Die Leute auf dem Hof hiessen das Männlein, immer wenn es kam, zusitzen, und es hielt wacker mit. Nur wollte es nie mit den Leuten bei Tische sitzen, stets sass es für sich allein auf der Ofenbank. Einmal aber bestrich ein mutwilliger Knecht, der sich darüber ärgerte, des Männleins Platz auf der Chust mit Baumharz, so dass es kleben blieb und sich die Hosen abschliss, als es aufstand.
Seither ist der kleine Heuer ausgeblieben, und die Leute müssen allein fertig werden, und oft genug ist ihnen das Heu im Regen schwarz geworden.
Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch