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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die freigebigen Zwerge

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Sage

Vor Zeiten pflügte einmal ein Bauer mit seinem Knechte den Acker. Da sahen sie es aus der Fluh nebenzu dampfen und rauchen. «Da backen und braten die Zwerge», sprach der Knecht, «und wir leiden argen Hunger. Hätten wir doch auch einen Bitz Wähe!» Und wie sie das Pflugsterz umkehrten, siehe, da lag in der Furche ein weisses Tüchlein aus feinem Linnen gebreitet, und darauf stand ein goldener Teller mit frisch gebackenem Kuchen und ein silbernes Messer dabei. Und sie assen dankbar und wurden satt. Und so gut schmeckte der Kuchen, dass sie deuchte, so guten hätten sie nie zuvor gegessen. Dann taten der Bauer und der Knecht ihre Arbeit weiter. Abends als sie heimgingen, war Teller und Messer verschwunden, bloss das Tüchlein lag noch da, und der Bauer nahm es mit nach Hause. Das hatten ihm die Zwerge geschenkt.

Einmal aber behielt ein Mann, dem dasselbe widerfuhr, das goldene Geschirr und das Silberzeug, und seither haben die Zwerge keinem Menschen mehr solche Gaben gebracht.

Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch