Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Ma und Frau im Essigkrueg

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Zaubermärchen

Es isch emol e Ma gsi und e Frau. Die hänn lang lang mitenander im ene-n-Essigkrueg gwohnt. Z'letscht am Änd aber isch's ne verleidet, und der Ma het zur Frau gsait: «Du bisch schuld dra, dass mer in däm suure-n-Essigkrueg läbe miend; wäre mer nur nit do!»

Derno hänn si agfange mitenander händle-n-und wiescht tue und sind enander in däm Essigkrueg als nochegloffe. Do isch uff eimol e goldig Vegeli an dä Essigkrueg ko z'fliege, das het gseit: «Was händle-n-er denn eso mitenander?» «He!» sait d'Frau, 's Essigkriegli isch is verleidet und mer mechte-n-au emol wohne wie ander Lyt; derno wämmer zfriede si!»

Do het sie' s goldig Vegeli us däm Essigkrueg use glo. het sie an e nagelnei Hysli gfiehrt, wo hinde dra e zierlig Gärtli gha het, und sait zuenene: «Das isch eier! Läbet jetz einig und zfriede, und wenn er mi bruche, so derfe-n-er nur dreimol in d'Händ klatsche und riefe:

«Goldvegeli im Sunnestrahl!

Goldvegeli im Demantsaal!

Goldvegeli iberal!»

Wie sie aber e paar Wuche in däm Hysli gwohnt sind, und emol in der Nochberschaft umme kemme, hänn sie do e grossmächtige Buurehof gseh, mit grosse Ställ, Gärte-n-und Äcker und Gsind. Jetzt het's e ne scho wider nimme gfalle in ihrem munzige Hysli, und s'isch ene ganz verleidet gsi, und ame scheene Morge hänn sie beidi fascht zue glycher Zyt in d'Händ klatscht und hänn gruefe:

«Goldvegeli im Sunnestrahl!

Goldvegeli im Demantsaal!

Goldvegeli iberal!»

Und in eim Witsch isch's goldig Vegeli zuem Fänschter yne ko z'fliege-n-und het sie gfrogt, was sie welle. «Ach», hänn sie gsait, «das Hysli isch doch au gar z'klai! Wemmer nur au sone grosse prächtige Buurehof hätte, derno wette mer z'friede si!» s'Goldig Vegeli het mit syne-n-Aigli e weneli blinzlet, het aber nit gsait, und fiehrt sie ane grosse prächtige Buurehof, wo viel Äcker dra gsi sind und Ställ mit Vieh und Knächt und Mägd, und het ene-n-alles gschänkt.

Der Ma und d'Frau sind vor Fraide-n-in d'Hechi gumpt und hänn sich fascht nid kennt. Jetz sind sie e ganz Johr lang froh und zfriede gsi und hänn sich gar nit Bessers kenne dänke. Aber lenger het's au nid duuret, denn wie sie jetze-n-als mängmol in d'Stadt gfahre sinn, hänn sie do die prächtige grosse Hyser und die feine putzte Heere und scheene Dame gseh in de Strosse schpaziere goh; do hänn sie dänkt: In der Stadt muass es aber herrlig zuegoh, und me bruucht do nit eso viel z'schaffe; und d'Frau het sich gar nid kenne satt seh an däm Staat und däm Wohlläbe und het zue ihrem Ma gsait: «Mer wänn au in d'Stadt! Rief du däm goldige Vegeli! Mer sind jetze scho lang gnueg uf däm Hof!» Der Ma het aber gsait: «Frau, rief du-n-em!» Änntlig het d'Frau dreimol in d'Händ klatscht und het gruefe:

«Goldvegeli im Sunnestrahl!

Goldvegeli im Demantsaal!

Goldvegeli iberal!»

Do isch's goldig Vegeli wieder zuem Fänschter yne ko z'fliege und het gfrogt: «Was wänner vommer?!» — «Ach», het d'Frau gsait, «'s Buureläb-n-isch is verlaidet, mer mechte-n au gärn Stadtlyt si und scheeni Klaider ha und im ene so-ne grosse prächtige Huus wohne; derno wämmer zfriede si!» 's goldig Vegeli het wieder mit de-n-Aigli blinzlet, het aber nit gsait, und het sie ins scheenscht Huus in der Stadt gfiehrt, und in de Käschte sind scheeni Klaider g'hange uf die neischti Mode. Jetz hänn sie gmaint, s'gäb nit Bessers und nit Scheeners uf der Wält, und sind ganz usser sich gsi vor luter Fraid.

S'het aber laider wieder nit lang duuret, so hänn sie gnueg gha und hänn zue-n-enander gsait: «Wemmer's nur hätte wie d'Edellyt, wo in grosse Paläschte-n-und Schlesser wohne und Bedienti mit goldige Borte hinde uf der Gutsche hänn! Das wär erscht eppis Rächts!» Und d'Frau het gsait: «Ma, jetz isch's an dir, em goldige Vegeli z'riefe.» Der Ma het wieder lang nit welle, äntlig, so d'Frau gar nit het welle noh lo mit Miede, het er dreimol in d'Händ klatscht und het gruefe:

«Goldvegeli im Sunnestrahl!

Goldvegeli im Demantsaal!

Goldvegeli iberal!»

Do isch's goldig Vegeli wieder zuem Fenschter yne ko z'fliege und het gfrogt: «Was wänner scho wieder vommer?» Do het der Ma gsait: «Mer mechte gärn Edellyt si, derno wämmer z'friede si!» Do het aber 's goldig Vegeli gar arg mit de-n-Aigli blinzlet und het gsait: «Ihr unzfriedene Lit! Wenn wärde-n-er emol gnueg ha? I will eich au zue Edellyt mache, aber s'isch eich nit guet!» Und s'het ene gly e scheen Schloss gschänkt, Gutsche-n-und Resser und e Huufe Dienste. Jetz sind sie Edellyt gsi und sind alli Tag schpaziere gfahre und hänn an nyt meh dänkt, als wie sie der Tag welle-n-umme bringe-n-in luter Fraid und Nyttue.

Emol sind sie in d'Hauptstadt gfahre fir e gross Fescht z'gseh; do isch der Keenig und d'Keenigin in-ere ganz vergoldete Gutsche gsässe in goldgschtickte Klaider, und vornen-und hinde-n-und uf beide Syte sind Marschall, Hoflyt, Page-n-und Soldate gritte, und ali Lyt hänn d'Hiet und Nastiecher gschwänkt, wo sie vorby gfahre sind. Wie het do däm Ma und däre Frau s'Härz pepperlet! Kuum sind sie haim ko, hänn sie zue-n-anand gsait: «Jetz wämmer no Keenig und Keenigin wärde! Derno wämmer aber uffheere!» Do hänn sie wider ali beide mitenander in d'Händ klatscht und hänn gruefe, so luut a's nur hän kenne:

«Goldvegeli im Sunnestrahl!

Goldvegeli im Demantsaal!

Goldvegeli iberal!»

Do isch's goldig Vegeli wider zum Fänschter yne ko z'fliege und het gfrogt: «Was wänner jetze vommer?» Do hänn sie gsait: «Mer mechte gärn Keenig und Keenigin si, derno wämmer z'friede si!» Do het aber s'goldig Vegeli gar arg mit de-n-Aigli blinzlet, d'Fäderli gsträibt und mit de Fligeli gschlage und het gsait: «Ihr wieschte Lyt! Wenn wärde-n-er emol gnueg ha! i will eich nu no zue Keenig und Keenigin mache, aber derby wird's doch nit blybe, denn ihr hänn doch nie gnueg!»

Jetz sinn sie Keenig und Keenigin gsi und hänn iber's ganz Land z'bifähle gha und hänn sich e grosse Hofstaat ghalte, und ihri Minischter und Hoflyt hänn als miesse uf d'Knei falle, wenn sie eins von-ene gseh hänn, und nodino hänn sie ali Biamte im ganze Land zu sich lo ko und händ ene vo ihrem Thron abe schträngi Bifähl gä. Und was nur Tirs und Prächtigs in alle Länder gsi isch, das het miesse häregschafft wärde, dass es e Glanz und e Rychtum gsi isch, es isch nit zum sage.

Jetze sind sie aber doch nit z'friede gsi und hänn als gsait: «Mer wänn no eppis meh wärde!» Do het d'Frau gsait: «Wärde mer Kaiser und Kaisere!» «Nai!» het der Ma gsait, «mer wänn Pabscht wärde!» «Das isch alles nit gnue», «het d'Frau in ihrem Yfer gruefe, «mer wänn lieber Herrgott si!»

Kuum aber het sie das Wort gsait gha, so isch e mächtige Sturmwind ko z'bruuse und e grosse schwarze Vogel mit funklige-n-Auge, wo wie Firreder grollt sind, isch zuem Fänschter yne ko z'fliege und het gruefe, dass alles zitteret het: «Versuuren ihr numme-n-im Essigkrueg!» Und derno isch die ganzi Herrligkait verschwunde gsi, und der Ma isch wieder mit syner Frau im Essigkrueg gsässe. Und jetz kenne sie au drinn sitze blybe.

Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984

H. R. Niederhäuser (Hrsg.)

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch